Schon von Kindesbeinen an, hatte er den Ruf, ängstlich zu sein.
Sogar die Hühner verfolgten ihn, weil man ihm seinen Zustand stets anmerkte. Für sich dachte er mit Sicherheit, sie seien hinter dem Körnerfutter her, doch sein Ruf wiedersprach ihm. Es war auf Grund seiner Angst!
Zumindest behaupteten das in seinem Umfeld Alle, aber nicht nur das, sie machten sich sogar darüber lustig. War das ein Vergnügen für alle Anwesenden, wenn der kleine Junge vom aufgebrachten Federvieh gehetzt wurde. Einfach zum Schreien.
Das ihm dabei sichtlich unwohl war, und er stillen Schutz forderte, bekam keiner mit, weil sie mit dem Wegwischen ihrer Tränen beschäftigt waren, so sehr zerkugelten sie sich.
Generell war er nicht erfreut, wenn er, obgleich in Begleitung seiner Familie, den Garten seiner Großmutter betreten musste, es konnte ihm nicht schnell genug gehen, die ewig langen zehn Meter vom Gartentor bis zur Eingangstüre des Einfamilienhauses zu überwinden; Auf diesem besagten Abschnitt zu wandeln, war für ihn mitunter die Hölle….der Weg des Grauens!
Im Winter ein Honiglecken, denn da war das Gefieder zumeist im Hühnerstall vorzufinden, allerdings an den restlichen drei Jahreszeiten…ein Alptraum für den sensiblen, kleinen Buben.
Vor Allem zu Ostern, wo er nicht nur den Bereich der gefrässigen Hühner hinter sich lassen, sondern sich zusätzlich in den riesigen, mit zumeist hochragenden Wildblumenwiesen bewachsenen Garten vorwagen musste, um eventuell auch so ein tolles Osternest sein Eigen nennen zu dürfen. Eine Prozedur. Eine Ewigkeit dauerte jenes Unterfangen. Alle anderen Kinder hatten ihre Nester nicht nur schon längst gefunden, sondern deren Inhalt bereits verputzt, manche danach bereits am Mittagstisch sitzend und Omas Schnitzel kauend, die Erwachsenen mitunter schon mit dem Abwasch fertig.
Aber einer stapfte immer noch sehr vorsichtig, einen Fuß, sehr bedacht, umher schauen, nochmals bedacht, Grashalm auf die Seite biegen, nächster Fuß, wieder bedacht, umher schauen, Grashalm biegen…und so weiter, denn auf dieser wildwüchsigen Blumenwiese gab es ganz schön viele Halme, um nicht zu sagen, sie war übersät damit und jeder einzelne davon, der seine Kniehöhe überragte, wurde eben auf die Seite gebogen, bevor er den nächsten Schritt wagte. Man könnte übertrieben meinen – Ende nie!
Aber auch der kleine Junge erreichte sein Ziel, trotzte seinen Lachern, den Gräsern, den Insekten, den Hühnern und all den anderen Gefahren, auf die er im Laufe seines Lebens treffen würde.
Vermutlich war es gut so, dass ihn seine Familie in diesen qualvollen, nie enden wollenden, ja oft sogar panischen Situationen auf sich alleine gestellt ließ…….. (jetzt endlich versteht er es)
Nichts und niemand mehr konnte ihm was anhaben, sehr bedacht räumte er stets seinen Gefahrenbereich, sehr bedacht, einen Fuß, abermals bedacht, nächster Fuß, schauen……vorsichtig…..!