Seelenruhig sitzt er auf der Klippe auf der er immer wieder zu sitzen kommt, wenn er uneins mit sich ist. Was war da nur ? Warum blickt er hinab auf die wogende Brandung der Ägäi-

schen See ?

Im tiefroten Schein der schon längst verschwundenen Sonne vernimmt er die tosende Gischt, den abkühlenden, endlich nach diesem so unerträglich drückend schwülen Tag, erfrischenden

Wind. Gut für seine Seele, seinen Geist, gut für seinen Körper, der sehr geschunden wurde, in der Gluthitze, im abgetakelten Fischerboot, wo nur noch ein altes Netz an der linken Flanke daran erinnert, das es einmal eines war.

Der Fischfang rentiert sich schon lange nicht mehr, sagen die Alten. Früher haben sie sich abgerackert, die Hände wundgescheuert an den schweren, mit frischem Fisch vollgefüllten Netzen, die Rücken bis zur unausweichlichen Krümmung belastet.

Heute sitzen sie im wohligen Schatten der Pinien und beobachten ihre Nachkommen, wie sie gut eingecremte und mit Sonnenhüten geschützte Touristen mit ihren Booten zu abgelegenen und versteckten Buchten und deren Traumstrände schippern.

Er ist einer davon. Antonis, so nennen sie ihn hier in Loutro.

Es ist halb fünf früh morgens, wecken muss man ihn nicht, das erledigt schon seine stete Unruhe. Aber vielleicht ist es auch die Gier auf Neues, das nicht erwarten können, was der neue

Tag so mit sich bringt. Heute jedenfalls sind es die paar Gläser Metaxa, die er nach dem letzten Amstel vergangene Nacht besser nicht mehr leeren hätte sollen, die ihn wachrüttelten.

Mit einem steten hämmern im Kopf und den Kotzpegel fast am Anschlag steht er auf, die Katzenwäsche muss auf seinen Zustand Rücksicht nehmen und heute vorerst ausfallen.

Rein in die knielange Outdoorhose, dann noch vorsichtig ins Tank-Top, na ja, ein paar kleine Flecken darauf, könnten vom Motoröl stammen, macht nichts, los geht’s.

Leicht benommen torkelt er aus seinem Zimmer einer kleinen Pension, in der er wohnen darf, weil er bei der Familie Kazantsidis, den Inhabern, gegen Kost und Logie beschäftigt wird.

Die engen Stiegen hinunter in den Frühstücksraum, durch die anschliessende dazugehörende Taverne endlich hinaus in die noch klare, kühlende Morgenluft.

Ausser ein paar umherstreunenden Kötern weit und breit niemand in Sicht.

Er hat es nicht weit, nur knappe einhundert Meter bis er den Anlegesteg erreicht mit der Beschilderung : Dimitrious Excursion – Boat Taxi . Dimitirous war sein Chef und gleichzeitig Inhaber der Boote samt Dienstleistung, weiters Inhaber der Pension, der Taverne und Familienoberhaupt der Kazantsidis‚.

Das Boot mit dem Antonis die sonnenhungrigen Urlauber von Bucht zu Bucht bringt war im Laufe der Zeit für ihn ein treuer Wegbegleiter geworden. Alles war alt an dem Boot, nur der

mit viel Liebe angebrachte azurblau/weisse Anstrich war neueren Datums. Auch der fünfundzwanzig PS-schwache Aussenbordmotor bereitete des öfteren Probleme, was der Grund für Antonis ist, jeden Morgen vor der ersten Ausfahrt darauf zu achten, das ja die Ruder mit an Bord sind. Volle Benzinkanister sind das einzige am Boot das nie als Mangelware eingestuft werden muss. Aber danach riecht es hier auch auf der

„African Queen“, wie Antonis seine Barke nach Bogarts und Hepburns Barkasse liebevoll nennt.

Er fing an seine Queen blank zu schrubben, so wie jeden Morgen, ausser wenn es regnet, aber das tut es sowieso nie, und wenn, dann merkt es hier keiner. Linkerhand bequemte sich indes der wärmende Himmelskörper über dem Bergdorf Anopolis orangefarben aufzugehen.

Es war kurz nach sieben als er der Meinung war, das Boot sei sauber genug um den Dienst anzutreten. Aber irgendetwas fehlte heute, irgendwas war anders als sonst. Verdammt die Kühlbox…………!

„Verdammt, die Kühlbox!“, schreckte ich krächzend und  etwas verschwitzt hoch, halb benommen noch, nachdem ich die letzten zehn Minuten scheinbar im Tiefschlaf verbracht hatte.

Nach wenigen Augenblicken erholte ich mich und wollte nach dem soeben Erlebten greifen, doch war es für mich leider nicht mehr zu erreichen. Dabei fühlte es sich so real an, als ob ich das schon einmal erleben durfte……..war es nur ein Traum?

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