Wie konnte es nur so weit kommen.

Verstört sitzt er auf einer Klippe, nahe dem kleinen Fischerdorf Lefkos auf Karpathos und blickt abgrundtief auf die tosende Brandung. Fernab seiner Heimat. Fernab seiner Familie. Fernab seines Schaffens.

Salzige Tränen schmiegen sich brennend an seine Wangen, die von der Sonneneinstrahlung bereits stark gerötet sind. Knapp vierzehn Jahre sind nun vergangen, seitdem er das letzte Mal diesen Platz heimsuchte.

„Es klappt einfach nicht mehr mit uns“, geht es pausenlos durch seinen Kopf. Verschwommen nimmt er die erlebten Bilder immer und immer wieder wahr. „Es wird Zeit, dir die Wahrheit zu sagen“, pochen seine Gedanken, „ich habe einen Anderen“.

Das Kartenhaus, das er jahrelang sorgfältig zuerst geplant und danach errichtet hatte, stürzte unaufhaltsam in sich zusammen. Nichts blieb mehr übrig.

Wie vor den Kopf gestossen, nahm er diese Nachricht wortlos und gelähmt vor Entsetzen, einfach hin. Er wußte, dass es zu diesem Zeitpunkt bereits zu spät war, um zu Handeln, um zu Kämpfen. Seine Liebe hatte sich entschieden. „Deine Kinder kannst du natürlich jederzeit sehen“, meinte sie anschließend,“ daran sollte es nicht scheitern“.

„Nicht scheitern, nicht scheitern“, durchzuckte es ihn und es war kaum zu vernehmen, „ich bin gescheitert!“

Mit seinen folgenden Gedanken, die, seine Zukunft betreffend, konnte er nichts anfangen. Er war schlagartig einsam, er war verloren. Das wusste er.

Er packte das Notwendigste in eine kleine Reisetasche, plünderte sein spärlich Erspartes und leistete sich damit den Flug auf die griechische Dodekanes-Insel. Da, wo er sich seit Lebzeiten wohlfühlte, da, wo er sich von jeher entspannen und erholen konnte, da, wo er stets abzuschalten vermochte. Da, wo er sich immer schon vorstellen konnte, seinen Lebensabend zu verbringen.

Verstört und verzweifelt sitzt er auf der Klippe, die salzigen Tränen fließen mittlerweile kaum merkbar aus seinen geröteten Augen die Wangen hinab. Starr blickt er abgrundtief auf die tosende Brandung der Ägäis. Fernab seiner Familie.

„Ich bin gescheitert…..“

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