Vier Stunden Schlaf sind zu wenig. Auf Dauer, genauer gesagt nach monatelanger Regelmäßigkeit, eindeutig zu wenig.

An jenem Tag im blauen Mond September
Still unter einem jungen Pflaumenbaum
Da hielt ich sie, die stille bleiche Liebe
In meinem Arm wie einen holden Traum.

Vier Stunden Schlaf. Oft nicht einmal in einem Stück.

Und über uns im schönen Sommerhimmel
War eine Wolke, die ich lange sah
Sie war sehr weiß und ungeheuer oben
Und als ich aufsah, war sie nimmer da.

Vier Stunden Schlaf. Unruhe und Gleichgültigkeit wechseln sich ab.

Seit jenem Tag sind viele, viele Monde
Geschwommen still hinunter und vorbei
Die Pflaumenbäume sind wohl abgehauen
Und fragst du mich, was mit der Liebe sei?

Vier Stunden Schlaf. Auf Dauer beginnt es zu nagen.

So sag ich dir: Ich kann mich nicht erinnern.
Und doch, gewiss, ich weiß schon, was du meinst
Doch ihr Gesicht, das weiß ich wirklich nimmer
Ich weiß nur mehr: Ich küsste es dereinst.

Vier Stunden Schlaf. Nagt an der Substanz. Unausweichlich. Das Aufbäumen dagegen ist chancenlos. Das Aufbegehren machtlos.

Und auch den Kuss, ich hätt‘ ihn längst vergessen
Wenn nicht die Wolke da gewesen wär
Die weiß ich noch und werd ich immer wissen
Sie war sehr weiß und kam von oben her.

Vier Stunden Schlaf. Und nicht einmal der ist mit Ruhe gesegnet. Ich träume.

Die Pflaumenbäume blühen vielleicht noch immer
Und jene Frau hat jetzt vielleicht das siebte Kind
Doch jene Wolke blühte nur Minuten
Und als ich aufsah, schwand sie schon im Wind.

Vier Stunden Schlaf. Unruhig, wie eh und je, sind eindeutig zu wenig. Chancenlos. Machtlos. Und wie Brecht’s Wolke schwindet auch mein Traum.

 

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