Ein letztes Mal betritt er die Stätte seines Tuns, seines Schaffens, seines Wirkens.

Ein letztes Mal betritt er die Örtlichkeit, mit der er seit Jahren vertraut ist, wie jedes Mal läßt auch heute die Morgendämmerung auf sich warten. Ein letztes Mal das Tor vom Gebäude aufsperren, ein letztes Mal die Tür zum Büro.

Er betätigt, ohne daran einen Gedanken zu verlieren, den Lichtschalter und steuert zielstrebig seinen Spind an. Ein letztes Mal, dass er sich seine bereits in die Jahre gekommene und schon leicht angegraute Uniform überzieht. Ein wenig eng sitzt sie auch schon, ob von den unzähligen Waschgängen, die sie unterzogen wurde oder aufgrund seiner nicht mehr so schlanken Figur, sei jetzt einmal dahingestellt.

Ein letztes Mal gießt er einen brühwarmen Kaffee in seine angestammte Tasse, hebt diese an seine Lippen und schlürft. „Geschafft..“, denkt er sich..“ich habe es tatsächlich geschafft“. Lange konnte er es nicht begreifen, dass es wirklich bald soweit sei, doch die letzten Wochen vergingen wie im Fluge und plötzlich steht er ein letztes Mal vor seinem Ruhestand in seinem Büro, in seiner Uniform, seine Tasse in der Hand…!

Ein letztes Mal zieht er sich warm arm, bei Tagesanbruch kann es noch sehr frostig sein, packt sich in die gefütterte Dienstjacke und macht sich auf den Weg, um seinen letzten Arbeitstag zu bewältigen. Es ist wie immer, nur eines ist anders; Seine Gedanken sind nicht mehr vor Ort. Er macht dasselbe wie immer, aber dieses Mal fühlt er nichts mehr dabei, er spürt rein gar nichts. Ab und zu kommt ihm eine Anekdote kurzfristig in den Sinn. Je nach dem wo er sich gerade aufhält, fällt ihm eine Geschichte ein…..ein dezentes Schmunzeln, ein kaum wahrzunehmendes Kopfschütteln, ein leises Schnaufen, sind seine vernehmbaren Reaktionen darauf.

Gedankenverloren vergeht sein letzter Arbeitstag wie im Nu.

Ein letztes Mal kehrt er von seiner Runde an seinen beheizten Arbeitsplatz zurück, ein letztes Mal streift er sich seine ausgediente Uniform ab, ein letztes Mal schweift sein Blick über die Räumlichkeiten, ein letztes Mal schliesst er die Türe hinter sich.

Er schreitet über den Lagerplatz, der sich um das Gebäude schließt und obwohl sein Gesichtsausdruck sehr angespannt ist….

….je mehr er sich dem Ausgang nähert, hat es den Anschein, als ob seine Mundwinkel unaufhaltsam nach oben wandern…!

2 Gedanken zu “Ein letztes Mal

  1. Es wäre noch schön, wenn der Abschluss dann wäre „Und dann ging es an das Meer, auf in ein neues Leben an der Küste, an der Brandung und in der Brise… der Weingarten im Hintergrund.“ 🙂

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